Dienstag, 5. April 2016

Die Männerarbeit der ev. Kirche

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Kirchenmitglied und in einer ehrenamtlichen Elternberatung in Frankreich (wo ich lebe) tätig. Wir sind, dadurch dass ich Deutscher bin, aber auch sehr gut mit dortigen Organisationen vernetzt. Ich bin seit 50 Jahren Mitglied der ev. Kirche.

Heute ist mir ein offener Brief von deutschen Organisationen in die Hände gefallen, in dem Herrn Rosowski in seiner Funktion als Vorsitzender des Bufo-Männer, die er durch seine Tätigkeit als Vorsitzender der ev. Männerarbeit inne hat, vorgeworfen wird gegen eine Veranstaltung dieser Vereine, dem Genderkongress in Nürnberg, interveniert zu haben. Ich selbst frage mich in wie weit die evangelische Kirche in Deutschland oder ihre Organisationen noch auf dem christlichen Pfad der Nächstenliebe wandeln oder in wie weit sich diese Kirche heute eher als Schutzpatron eines politischen Kaspertheaters sieht in dem Männer als Feindbild für alle sozialen Probleme aufgebaut werden.

Diverse Male haben mir z. B. Väter in Deutschland mitgeteilt dass sie von Beratungseinrichtungen der ev. Kirche den Vorschlag erhalten hatten sich einfach eine neue Familie zu suchen, weil die Frau ihm keinen Kontakt zu den Kindern gewähren möchte. Hier kann man sich als Mensch (nicht nur als Vater) nur noch an den Kopf fassen. Ist so etwas mit dem Glauben unserer Kirche vereinbar? Ist es vereinbar das Vätern (und somit auch den Kindern) zugemutet wird den Kontakt abzubrechen weil die Mutter dieses nicht mehr wünscht?

Aber auch andere Punkte, wie z. B. eine Studie der ev. Kirche die belegt das Männer auch (und sogar im gleichen Umfang) Opfer von häuslicher Gewalt werden, hat nicht zu einem Umdenken geführt. Die Kirche unterhält Frauenhäuser und nur Frauenhäuser, in denen Jungen ab 13 Jahren (hierzu z. B. Frauenhaus Pforzheim 14 J. oder auch FH Hamm 13 J.) teilweise keine Aufnahme mehr finden weil sie dann als Männer gelten. Männern wird von meiner Kirche nur eine Täterberatung angeboten, wie z. B. bei der Diakonie in Hessen. Hilfeeinrichtungen für Trennungsväter oder Hilfe bei häuslicher Gewalt findet nur für männliche Täter statt, Opfer scheint es nicht zu geben. So kann man diese Liste an einseitigen Hilfseinrichtungen in denen der Mann und Vater als Störenfried und Aggressor betrachtet wird, beliebig fortführen. Das ein Familienstreit sich oftmals hochschaukelt, das innerhalb der systemischen Familie diverse Einflüsse zur Gewalttätigkeit führen (hierzu Familiäre Gewalt im Fokus - Handbuch: Fakten - Behandlungsmodelle – Prävention – Ausg. 2014), das eine systemische Beratung dieser Gewalthandlung am besten entgegenwirkt, all das scheint für meine Kirche nicht existent.


Und nun schafft es Herr Rosowski einen Verein der sich für die Interessen von Vätern einsetzt, sowie andere Gruppen die sich für Rechte von Männern einsetzen, zu diffamieren. Hierzu sind folgende Zitate aus einer Mail, die an einen Bundestagsabgeordneten der Linken gesendet wurden, in diesen Brief eingefügt:
„einer Reihe von radikalen Aktivisten der maskulistischen Szene in Deutschland ein Forum für Ihre antifeministischen und zum Teil frauenfeindlichen Thesen.“
„erklärte Gegner gleichstellungsorientierter Politik“
„…wie sehr die rechtspopulistischen Kreise um AFD, Pegida aber auch NPD mit den antifeministischen Parolen dieser maskulistischen „Männerbewegung“ sympathisieren.“

Und nun falle ich im wahrsten Sinne des Wortes vom Glauben ab! Ich muss erleben dass die evangelische Kirche Väter als Störfaktor ansieht, der sich doch einfach mal eine neue Familie suchen kann. Wehren sich Väter gegen ein solch sexistisches Männerbild das auch von Einrichtungen meiner Kirche vertreten wird, indem sie sich zu Vätervereinen zusammenschließen, wollen diese Vereine hierzu Öffentlichkeitsarbeit machen, dann werden diese Vereine anscheinend von offiziellen Vertretern meiner Kirche bei Vertretern der Politik diffamiert! Ungeheuerlich ist hier schon kein Ausdruck mehr! Ich sehe mich und meine Ansichten zur familiären Beratung mit Sicherheit nicht als die einzig wahren an, doch wer, wie hier geschehen, einen offenen Diskurs auf solch rücksichtslose weise verhindert, wer andere Positionen diffamiert, der hat sich für jeglichen Diskurs selbst ins Abseits gestellt!

Welche Stellungnahme der evangelischen Kirche gibt es zu diesem Vorfall? Ist es heute offizielle Politik der Kirche hier einen Geschlechterkrieg zu starten oder weiter anzuheizen, in dem Vertretern die sich für Väter (und damit für Kinder) einsetzen zu diffamieren? Ist es ein Zeichen von Nächstenliebe diese Menschen zu diffamieren? Sieht sich die evangelische Kirche Deutschland heute als willfähriger Wasserträger einer einseitigen und teilweise Männerverachtenden Familienpolitik und als Verhindere jeglicher ziviler Kritik?  Eine Politik in der es trotz Urteilen des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofes in Straßburg nicht zum Umdenken kommt, die aber zu Männerbilder wie das von Ihnen in meinen Beispielen vertretene kommt? Gibt es in der ev. Kirche ein Kommittent zu Vaterschaft, die einem Mann unabhängig von Vorleistungen zusteht? Ist ein Vater, auch wenn sich die Eltern vor der Geburt getrennt haben, für meine Kirche ein Vater oder nur ein familiärer Störenfried des Mutterglückes? Oder sind Männer die sich nicht der Doktrin von Herrn Rosowski unterwerfen, weil sie z. B. noch, auch oftmals von ihren Ehefrauen, von FamilienrichterInnen etc., in die traditionellen Rollen hineingedrängt werden, Menschen zweiter Klasse gegen die interveniert werden muss? Wie steht die evangelische Kirche zu diesem Vorfall, bei dem die Intervention des Vorsitzenden der ev. Männerarbeit nur noch die Spitze der Geschmacklosigkeit ist?

Mit der Bitte um eine Stellungnahme verbleibe ich;
Kai Vogelpohl

PS:
Gerne würde ich Ihre Antwort auf meinem Blog veröffentlichen (http://frontberichterstatter.blogspot.de/)
PPS:
Der Verein um den es hier geht ist hier zu finden: http://www.vaeter-netzwerk.de/
Der offene Brief mit der Unterschrift von 5 Vereinen findet sich hier:
 Täterberatung der Diakonie Hessen:
info(ad]ekd.de



Kommentare:

  1. Ein hervorragender Brief. Ich würde ja sagen, bitte halt uns auf dem Laufenden, wenn Du eine Antwort bekommst, aber es ist doch klar, daß es keine Antwort geben wird.

    Entweder die EKD glaubt wirklich, was sie predigt. Dann bist Du nur ein rechtsradikaler, frauenhassender Querulant, der keiner Antwort würdig ist.

    Oder man weiß dort nur zu gut, daß die eigene Position sachlich und menschlich nicht haltbar ist, hält sie aber aus politischen Gründen für opportun bis unverzichtbar. Dann kann man dort aber nur verlieren, wenn man überhaupt irgendwie reagiert.

    Aber selbstverständlich ist auch keine Antwort eine Antwort.

    B20

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    1. Hallo Bombe,
      ich denke nicht das dieser Brief viel Resonanz auslöst. Er ist sozusagen eine Kerze als Licht der (oder meiner) Erkenntnis, dass ich der Kirche sende. Eine Kerze kann man leicht ausblasen, 500 Kerzen können aber ein Haus in ein anderes Licht rücken und neue Erkenntnisse bringen. 500 Kerzen zu löschen dauert länger wie 1...

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  2. Schau Dir an, in welchen Parteien führende Vertreter der EKD sind, und Du hast Deine Antwort.
    Wobei das eigentliche Problem vermutlich eher Feigheit ist, denn hinter verschlossenen Türen hört man ganz andere Dinge, als öffentlich. Nicht von allen, aber man hat das Gefühl, dass bei vielen Leuten die Frustration insgesamt zu PC sehr steigt. Ein Marker dafür ist z.B. die Haltung zur sogenannten Bibel in gerechter Sprache; eigentlich müsste dazu ja ein theologischer Aufschrei geschehen, aber tatsächlich sind die Kritiken sehr verhalten und leise und seeeeh seeehr vorsichtig. Man hat Angst, sich den Mund zu verbrennen. Oder nimm die Hilfe für orientalische Christen aus Syrien und sonstwo. Denen müsste man doch als Kirche offensiv helfen, oder? Sag sowas bloß nicht zu laut in der Kirche, sonst wirst du als Steigbühelhalter für Muslimhasser in die rechte Ecke gestellt.
    Und genau in diese feige Ecke gehört auch die Kirchenhaltung zum Thema real existierender Feminismus, Gender usw. Nimm ja nicht das Wort "Familie" in den Mund, sonst bist du ein frauenfeindlicher Reaktionär.

    Ich weiß auch nicht, was man da machen soll, wir schaffen uns selber ab. Ich persönlich mag bloß nicht die AfD wählen, eigentlich hoffe ich immer, dass man in der linken politischen Ecke endlich mal merkt, in welche Richtung man da blind gerannt ist.

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  3. Die politische Haltung zum Störenfried Vater geht aus diesem Artikel des evangelischen Magazins "Chrismon" hervor:

    Mann im Leben? Muss nicht sein

    Man beachte die kritischen Kommentare. Diese hatten wohl keine Wirkung, insofern glaube ich nicht, dass dein (großartiger) Brief irgendetwas bewirken wird.

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    1. Hallo Uepsilonniks,
      ich denke das man über Masse die sich äussert schon etwas tun kan, frei nach Brechts Keuner Gesichte mit den Katzen... Schreien, auf sich aufmerksam machen ist schon mal ein Vorteil.

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  4. Lieber Kai, lernen wir uns in Köln kennen?

    http://www.vafk-koeln.de/event/demo-allen-kindern-beide-eltern6

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    1. Hallo Hartmut, ich müsste aus Paris anreisen, immerhin 550 KM :)
      Ich werde mal schaun was sich da machen lässt ;)

      Gruss
      Kai

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  5. Lieber Kai,

    vielen Dank für Deinen Brief! Ich hab noch eine Kerze dazugestellt :-) https://man-tau.com/2016/04/15/woher-kommt-eigentlich-dieser-hass/

    Viele Grüße, Lucas

    PS. Da ich sowieso gerade beim Schreiben bin, hab ich Dir auch eine Mail geschrieben.

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    1. Hallo Lucas,
      danke für Deinen Brief! Toll geschrieben!!!
      Ich hab die Mail gesehen, werde mich am WE drann setzen ;)

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