Donnerstag, 22. Mai 2014

Würden Sie eine Vergewaltigung erkennen wenn sie eine sehen?

Lucas Schoppe schrieb auf Man-Tau noch einmal über Games of Thrones und die darin enthaltenen Vergewaltigunsszenen. Bisher habe ich ja wirklich versucht das Thema an mir vorüber ziehen zu lassen. Erstens, weil ich GoT nicht sehe, was nichts mit einer Abneigung der Serie gegenüber zu tun hat, sonder rein der Tatsache geschuldet ist, das ich überhaupt keinen Fernseher besitze. Zweitens, weil ich mich garantiert wieder in ein Fettnäpfchen setze in diesem aufgeblasenen Thema. Nun, ich denke, Fettnäpfchen sind dazu da um rein zuspringen, lets go!

Robin beschreibt in ihrem Blog die Szene folgendermassen:

Die Szene ist von hinten bis vorne eine Vergewaltigung.
Nach einem (einvernehmlichen) Kuss, den Cersei abbricht, zischt Jaime was von Liebe, packt Cersei, reißt ihr Kleid (oder ihren Unterrock) kaputt, drängt sie schließlich zu Boden. Cersei wehrt sich mit Taten und Worten (“stop it, stop it”, “it’s not right”, “no”), fängt an zu weinen und zu schluchzen, verzieht das Gesicht vor Schmerz, dreht es (mit geschlossenen Augen) weg. An einer einzigen Stelle, als beide noch stehen, scheint sie kurzzeitig ein wenig, äh, zugeneigter, aber das erwähne ich nur der Vollständigkeit halber, weil sie danach offensichtlich weiterhin keinen Sex will. Jaime interessiert ihr Geschluchze nicht (“I don’t care”).
EINE – VERGEWALTIGUNG. Ganz klar.

Wäre Robin jetzt eine unbeteiligte Zeugin, die diese Szene durch das Fenster des Hauses gegenüber gesehen hat, würde man laut ausrufen, Vergewaltigung! Doch reicht diese Beobachtung aus um eindeutig eine Vergewaltigung zu bestimmen?

Zumindest laut Robin sieht der Regisseur Graves das anders:

Nehmen wir mal an, Graves lügt nicht, weil er jetzt so viel Kritik aushalten muss (armes Hascherl!), wenn er sagt, dass die Szene einvernehmlich geplant gewesen war. Dann hätte ich da eine Frage: Mr. Graves, warum sind Sie so ein unglaublicher Loser?! Wie kann man seine Intention als erfahrener Künstler so grandios verfehlen?! Denn ein Regisseur ist IMMER die letzte Instanz – in diesem Fall nach der Vorlage von George R. R. Martin, den Drehbuchschreibern und den Schauspielern. ER IST DER VERANTWORTLICHE. Und als solcher hat er einfach nur himmelschreiend versagt. Er ist ein Versager. Und offensichtlich ein blödes Arschloch, das nicht den Unterschied zwischen einer wenig hübschen, aber nicht vollends verwerflichen “Sie mag erst nicht und dann ja doch”-Sexszene und einer offensichtlichen Vergewaltigung kapiert!!!

Somit haben wir das, was man vor Gericht Aussage gegen Aussage nennt. Wobei der Regisseur noch zwei Zeugen anbringen kann, die Schauspieler, die, zumindest entsprechende Regieanweisungen vorausgesetzt, eine solche Szene gespielt haben, sind es also schon mal drei Personen die es als solche sehen, bzw. das so zu interpretieren versucht haben. Nun könnten wir sagen, drei Arschlöcher und Idioten gegen Robin, Robin verliert. Wir haben aber dank Youtube die Möglichkeit nachzuprüfen ob es eine Vergewaltigung ist oder nicht. Soviel schon mal vorweg, ich kenne Graves nur von dieser einen Szene und finde er ist zumindest nicht so schlecht wie er hier dargestellt wird. Für einen Oscar wird es trotzdem wohl nicht reichen, aber bei einer Nominierung für den Grimme Online Award nehmen sie ja neuerdings Jede(N).

Wollen wir prüfen ob eine Vergewaltigung vorliegt, müssen wir irgendeinen Maßstab haben, nachdem wir  es als Vergewaltigung einsortieren können. Dieses kann z. B. durch §177 StGB erfolgen, in dem folgende Schwellen überschritten werden müssen.

§ 177 Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung
(1) Wer eine andere Person
1. mit Gewalt,
2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist, nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird …

In wie weit ein Richter hier nun eine dieser Schwellen überschritten sieht, ist erst einmal belanglos. Punkt 2 und 3, also Drohung mit Gefahr sehe ich nicht, die Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer schutzlos ist, sehe ich auch nicht. Würde ich allein dadurch dass der Mann augenscheinlich stärker ist, diese Lage annehmen, müsste ab morgen Sex nur noch vor Zeugen stattfinden, die einem vermeintlichen Opfer notfalls sofort helfend zur Seite springen müssten. Bleibt somit nur noch Gewalt. In wie weit hier eine strafrechtliche Schwelle überschritten ist, wenn wir die Schilderungen von Robin oben nehmen, überlasse ich dem Richter.

Sinnschwellen
Warum solche Schwellen Sinn machen, und obige Diskussionen eher Kontraproduktiv sind, zeigt ein anderen Fall, der vor Gericht mit einem Freispruch geendet hat. Auf Twitter waren auf diesen Freispruch bezogen folgende Reaktionen zu lesen:

"Mir ist schlecht" - von Faserpiratin
"Wie bitte? Ich hab mich verlesen, oder?" – von doncish
"ICH KOTZE!" – von chaotins

Hier war ein 15jähriges Mädchen zu Besuch bei einer Freundin. Noch Anwesend ist eine Prostituierte. Beide Frauen, die Freundin und die Prostituierte, verschwinden auf Aufforderung des Ehemannes der Frau im Keller, weil beide die Zornesausbrüche des Mannes kennen. Das Mädchen bleibt in der Wohnung und lässt den Geschlechtsverkehr, der nachfolgend mit dem über 10 Jahre älteren Mann statt fand über sich ergehen ohne sich zu wehren. Einzig, so berichtet der Spiegel,Nur einmal soll sie gesagt haben: "Nein, ich will nicht." Weshalb hier die Richterin dann diese Schwelle eben nicht überschritten sah, obwohl gleicher Mann am selben Abend noch eine Frau mit einem Staubsaugerrohr schwer verletzt hat, übrigens eine Tat, für die er drei Jahre bekommen hat. Interessant ist im obigen Artikel die folgende Aussage:


Auch Strafrechtsexpertin Hörnle kann die Empörung [bei Twitter] nachvollziehen. Die Entscheidung des Landgerichts sei zwar unter den gegebenen Umständen richtig, "man muss sich allerdings fragen, ob das Gesetz, das dem Urteil zugrunde liegt, es auch ist". 

Wenn wir dieses Gesetz jetzt verändern wollen, um z. B. oben genannten Fall mit einzubeziehen, dann muss man sich jedoch die gleiche Frage stellen, die sich auch Frau Hörnle stellt:

Dennoch ergebe es Sinn, objektive Anzeichen für eine Vergewaltigung im Strafgesetzbuch aufzulisten, sagt Hörnle. Sonst könnte kaum bewiesen werden, ob eine Frau die Wahrheit sagt, wenn sie von dem Geschlechtsverkehr als Vergewaltigung berichtet.

Doch wie sieht diese Schwelle aus? Natürlich kann man ein 15 jähriges Mädchen, das allein mit einem potentiell gewalttätigen Mann in einem Raum ist nicht mit der fiktiven Szene aus „Game of Thrones“ vergleichen. Man kann jedoch von einer gestandenen Frau, wie Cersei sie in ihrer Rolle anscheinend verkörpert, im hier und jetzt verlangen, das sie sich, falls sie diesen Sex von ihrem Intimpartner hier und jetzt oder überhaupt nicht möchte, sich umdreht und geht.

Lassen wir jetzt einmal beiseite, dass es sich hier um eine gespielte Szene handelt in der Schauspieler versuchen die Regieanweisungen umzusetzen und in der die Schauspielerin eben nicht in der nächsten Folge zum Gendarmen rennt und eine Anzeige erstattet. Betrachten wir diese Szene einfach mal als das was ihr einige unterstellen, die Szene einer Vergewaltigung.


Warum diese Szene in GoT FÜR MICH keine Vergewaltigung ist
Natürlich können wir auch rein spekulativ analisieren ob einvernehmlicher Geschlechtsverkehr vorgelegen hat. Nein bedeutet Nein, immer! Nein, ich möchte kein Eis, ich möchte zwei ist augenscheinlich erstmal keine Ablehnung ein Eis zu essen. Genau so wie ein Nein nicht definitiv oder endgültig sein muss. Jetzt und hier eine Aussage kein Eis zu essen, bedeutet eben nicht den ganzen Tag kein Eis zu essen, sondern nur bezogen auf diesen kurzen Moment. Mir ist gerade so was z. B. schon öfter untergekommen, genau auf die Frage ob eine anwesende Person ein Eis möchte, wurde mit Nein geantwortet. Als ich mir selbst dann ein Eis geholt habe, stand eine Minute später die andere Person mit den Worten auf, jetzt nachdem ich Dich hier essen sehe, habe ich auch Hunger auf ein Eis.

Genauso kann ein Nein mit bitten und betteln in einer Intimpartnerschaft und einem Liebesspiel jedoch auch ganz andere Bedeutungen haben, die eher eine Aufforderung sind weiter zu machen. Ich weiß, ich verscherze es mir gerade bei einigen, trotzdem werde ich die Szene, die ja filmisch genau das darstellen soll, einmal unter diesem Gesichtspunkt betrachten.

Ich habe dazu folgendes Video herangezogen, das auf englisch und unter 2 Minuten lang ist.

Lucas beschreibt die beiden Charaktere  in seinem Blog als Das brutale, dekadente Geschwisterpaar Jamie und Cersei“ wodurch zumindest eine gewisse Spielart auch im Sexualleben angenommen werden kann (natürlich nur wenn beide damit einverstanden sind). Lukas schreibt dann:

Cersei glaubt, dass der gemeinsame, kleinwüchsige Bruder Tyrion schuld ist an Joffreys Tod und fordert Jamie auf, den Bruder zu töten, um das Kind zu rächen. Daraufhin gibt sie ihm einen innigen Kuss und zieht sich dann wieder von ihm zurück. Mag sein, dass Jamie das als Versprechen einer Belohnung interpretiert, die er erst dann erhält, wenn er Tyrion – (…) – getötet hat.

Ja, so kann man das interpretieren und so sehe ich das auch. Zusätzlich spielt Cersei hier noch die schutzbedürftige Frau, was ihr Bruder so eben nicht sieht. Er glaubt zu erkennen, dass sie, nachdem sie den Kuss abgebrochen hat, eine hasserfüllte Frau ist, die aus kühler Berechnung handelt, der er aber in Liebe verfallen ist und von der er nicht loskommt. Sein Liebesschwur ist eben genau diese Annahme des Tötungsauftrages. Und nun nehme ich die Rolle des Advocatus Diaboli ein.

Jamie möchte jedoch keine Belohnung, wie Lucas meint, sondern sich in seiner Rolle als Mann (besonders in diesem mittelalterlichen Kontext) der den Befehl einer Frau eben nicht bedingungslos annimmt, bestätigt fühlen, ehe er den Auftrag ausführen wird.

Und Cersei spielt genau dieses Spiel mit (Unschuldsvermutung). Was wir nachfolgend sehen ist nichts weiter als ein Spiel um Macht, die Macht zwischen den Beiden, zumindest im Bett, wo sie ihm diese Machtausübung dieses eine mal zusteht und das Spiel mitspielt. Die Aussage die Cersei hier nonverbal transportier ist:
Ja, Du bist der starke Mann der für sich selber entscheidet ob er meinen Befehl ausführt, Du bestimmst (zumindest diesmal im Bett), ich ordne mich Dir unter und bitte Dich es nicht zu tun, damit Dein Sieg nun vollendet ist, wehre ich mich.
Genau so springt es einem förmlich in die Augen – nimm mich Du starker rosaroter Wuschelsbär!!! Wie, sieht es keiner? Bedarf diese absolute Klarheit noch eines weiteren Wortes? Also gut, dann wollen wir mal.

Cersei bricht den Kuss ab, der so innig war zwischen den beiden, übrigens trotz Totenbett. Dadurch gibt sie zu verstehen nach der Ausführung ihres Befehls zu mehr bereit zu sein. Das kann und will Jamie, der sich eben nicht als ihr willenloser Sklave sieht, nicht akzeptieren. „Du bist eine hasserfüllte Frau, …“ Weil er sie liebt, so scheint es, wird er diesen Auftrag ausführen. Doch er möchte dass er es als seine Entscheidung sehen kann. Er lässt somit natürlich nicht zu dass Cersei bestimmt wann der Kuss zu ende ist, sondern er. Cersei, die ihren Bruder kennt, erwidert genau diesen Kuss widerwillig, steigt jedoch in sein Spiel ein und zeigt durch Gesten und Signale, das sie genau dieses Spiel auch als dieses sieht und sogar genießt.
 
Sie sendet immer wieder Signale die zeigen, ich möchte es genau so. Selbst als sie an den Boden gezogen wurde, das Kleid zerrissen wurde etc. zeigt sie diese Gesten der Zuneigung. Diese Gesten sind nicht einer eigenen Erregung geschuldet, sondern zeigen eindeutig, mach weiter.


Diese Hand von Cersei zeigt, ich will den Kuss, geh nicht weg, küss weiter. Dieser Ausschnitt ist gemacht nachdem ihr Kleid zerrissen und sie am Boden kniet. Würde sie den Kuss nicht wollen, würde sie den Kopf mit der ganzen Handfläche zur Seite drücken, womit der Daumen zu sehen wäre, der in diesem Fall das Kinn umfasst, so das Cersei die Kontrolle hat wann der Kuss aufhört, oder ihn zumindest verlängern kann. Direkt davor sagt sie "Stop it".


Auch hier, am Boden auf Knien direkt nach der vorherigen Sequenz, wo sie die Jacke zu sich hin zieht und nicht von sich weg oder anders versucht Abstand zu halten. Ebenfalls nach dem ersten Stop it.

Auch eine weitere Sequenz, bereits am Boden liegend zeigt eine Hand zu sich hin ziehend, die andere wegdrückend, leider bringt hier ein Screenshot nichts, da die Bewegung verloren geht. Womit der von der Zeugin Robin eingebrachte kurze Moment im Stehen, wo sie den Kuss erwidert, zumindest mehr als fraglich ist.

Somit gibt es eine nonverbale Komunikation, die teilweise genau das Gegenteil sagt. Das Cersei beim Geschlechtsverkehr den Kopf zur Seite dreht, ist kein eindeutiges Zeichen. Ich habe bisher noch keine Frau kennen gelernt, die beim Geschlechtsverkehr Blickkontakt herstellt.

Ebenso kann die verbale Kommunikation hier komplett anders gedeutet werden, indem Cersei eben andauernd bestätigt haben muss, das es nicht schlimm ist hier an diesem Ort Sex zu haben. "Es ist nicht richtig" - "I don't care" - "ich kümmere mich nicht darum ob an diesem Ort oder einem anderen...".

Ob das jeder hier nun genau so sieht, oder ich nun auch ein Arschloch oder Idiot bin, ist erst einmal egal. Zeigten wollte ich, es gibt eben mehrere Sichtweisen auf ein Problem. Und eines ist gewiss, sage ich einem Menschen, schau mal diese Vergewaltigungsszene an, so wird er nach Bestätigungen für meine Aussage suchen, doch es gibt genau so gut auch andere Sichtweisen, die diese Aussage eben abschwächen oder negieren. Und genau unter dieser Prämisse, es ist keine Vergewaltigung, habe ich das Video voreingenommen angesehen. Würde Cersei jetzt nach dieser Szene zur Mittelalterpolizei gehen, so könnte man als zuständiger Richter eine Entscheidung in beide Richtungen fällen und auch begründen.

Vergewaltigung, Ja oder Doch?
Wir haben in der obigen Szene ein Video, das wir immer und immer wieder sehen können. In dem wir Details analysieren können, Standbilder sehen etc. Wie schwer selbst mit Filmaufnahmen die Unterscheidung zwischen Vergewaltigung oder einvernehmlichen Sexualkontakt ist, zeigt ein Dokumentarilm mit dem Namen "Raw Deal - A Question of Consent", über den ich einmal im Spiegel gelesen habe, den ich mir jedoch nicht angesehen habe, noch werde ich ihn mir ansehen.

Genau wie bei [Andreas] Türck geht es in "Raw Deal" um die Frage, ob der Sex freiwillig oder erzwungen war. Aber anders als in Frankfurt muss man in "Raw Deal" nicht die Glaubwürdigkeit von Zeugen beurteilen, der Fall liegt auf Video vor. Doch das macht die Sache nicht leichter: Das Werk des US-Filmemachers Billy Corben ist ein Lehrstück über die Schwierigkeit, ein Geschehen richtig zu bewerten, selbst wenn man es als Video vor sich hat.

Auf diesen insgesamt zwei Videos ist der größte Teil eines Abends gefilmt worden, an dem eine Studentenverbindung eine Feier mit mehreren Stripperinnen durchführte. Nach viel Alkohol und Machogehabe und diversen Anmachen kommt es zum Sex zwischen einer der Frauen und einem Studenten. Von der Frau ist kein eindeutiges Zeichen der Ablehnung zu sehen, es gibt kein Nein. Hierzu aus dem Spiegel, wobei ich den Namen der Frau einfach durch Frau ersetzt habe.

Es gibt keine Stelle, an der [Frau] nein sagt. Es gibt kein eindeutiges Stoppsignal. Es gibt viele Gelegenheiten, unbehelligt aufzustehen und zu gehen.
Als es schließlich zum Sex kommt, lässt sich nicht mehr sagen, ob der Akt nur freudlos ist oder erzwungen.
Mike hält die Frau fest, jedenfalls eine Zeit lang. Und es ist auch deutlich, dass er sie nicht liebkosen will, sondern besiegen.
Aber [Frau] gibt sich nicht wie eine Verliererin, sie bleibt im Zimmer und versucht, einen anderen Studenten zum Oralverkehr zu überreden. Das passt nicht zu einer Frau, die gerade vergewaltigt wurde.

Abschließend schreibt der Spiegel:

Bei Vorführungen von "Raw Deal" auf dem Sundance-Festival oder in Edinburgh war das Publikum jeweils tief gespalten: Die meisten Männer sagten hinterher, was sie gesehen hatten, sei eine Vergewaltigung gewesen. Die weiblichen Zuschauer fanden, [Frau] habe sich alles selbst zuzuschreiben. Es ist, als würde jeder sich für die Rolle schämen, die sein Geschlecht in dem Stück spielt.

Somit bleibt die Frage offen, welche objektive Anzeichen für eine Vergewaltigung im Strafgesetzbuch aufzunehmen sind. Viel Spass dabei! Die Polizei im obigen Fall nahm zumindest nach Beschlagnahme und Sichtung der Videos die Frau vorläufig fest und ermittelte wegen Falschbeschuldigung gegen sie. Weshalb auch die beschlagnahmten Beweise der Öffentlichkeit zugänglich wurden. Da ich dieses Vorgehen jedoch persönlich ablehne, weil es sich bei den Beweisen um Sexkontakte unter Alkoholeinfluss handelt, die eben nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren, habe ich darauf verzichtet den Namen der Frau hier im Blog zu nennen und mir selbst den Film anzusehen.

Übrigens im Gegensatz zu Emailadressen von Redakteuren einer Boulevardzeitung, die diese selber öffentlich machen, weil sie um Reaktionen auf ihre Artikel bitten…

Kommentare:

  1. "Weil er sie liebt, so scheint es, wird er diesen Auftrag ausführen. Doch er möchte dass er es als seine Entscheidung sehen kann."

    Nein, das tut er nicht. Er denkt nicht einen Moment darüber nach, seinen Bruder zu töten, im Gegenteil. Er versucht ihn im Folgenden zu retten. Womit irgendwie deine gesamte Argumentation zusammen kracht.

    Ganz ehrlich - wenn man die Serie nicht mal kennt, muss man auch nicht unbedingt was dazu schreiben und sich dann an Fremdbezeichnungen wie "brutales, dekadentes Geschwisterpaar" aufhängen.

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    1. Nein, das tut er evtl. nicht, doch zu diesem Zeitpunkt könnte er s denken... Es geht mir nicht darum die Serie zu verteidigen, die Szene, immer betrachtet als von Schauspielern so umgesetzt, ist eben nicht eindeutig. Vor allem fehlt genau ein Punkt der eine Vergewaltigung klar benennt, ein Opfer das sagt, ich bin vergewaltigt worden. Das fehlt hier...

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  2. So, zweiter Versuch, die Kommentarfunktion hier ist echt besch... eiden.

    Ich denke Du hast hier echt tief in die Schüssel gegriffen. Auch wenn es so ist, dass FeministInnen einen ausufernden Vergewaltigungsbegriff verwenden, so verhält sich hier der Fall eindeutig anders. Hier liegt eine Vergewaltigung vor, die sich nicht wegdiskutieren lässt.

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    1. Ach ja, Absender: Roger

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    2. Zweiter Nachtrag, bevor es heißt, ich sei Feminist.

      Andere Gewaltdarstellungen in GoT halte ich für schwerwiegender. Vor die ultimative Wahl gestellt, entweder vergewaltigt zu werden wie in der besprochenen Szene, oder wie Theon gefoltert zu werden, wäre mein Wahl klar.

      Insofern ist mir auch unverständlich, warum Robin mit Nachdruck darauf besteht, dass Theon nicht vergewaltigt wurde. Welchen Sinn das hat, erschließt sich mir nciht.

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    3. Ich habe es eigentlich bei mir zur Genüge ausgeführt, aber gerne nochmal in aller Kürze: Es findet keine Penetration statt, ergo keine Vergewaltigung. Es kann durchaus immer noch eine sexuelle Nötigung sein (meiner Meinung nach nicht, aber dafür ließen sich Argumente finden - für Vergewaltigung nicht), aber nicht, wenn man der Meinung ist, dass das zwischen Cersei und Jaime keine Vergewaltigung war.

      Theon war ja das eigentliche Thema, aber hier dreht es sich schon wieder nur um Cersei. Ich verstehe das ehrlich gesagt nicht.

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    4. Hallo Roger,

      1. Welches Problem hast Du mit der Kommentarfunktion? Ich hab da in den letzten Tagen ein wenig rumgespielt. Danke schon mal.

      2. Nein, ich möchte die Schwelle eben nicht zu Hoch setzen. Die Vergewaltigung des 15 jährigen Mädchens erkenne ich auch absolut. Doch in der obigen, eben wirklich von Schauspielern ausgeführten Szene, die eben nicht eine wirkliche Vergewaltigung, sondern irgendwelche Schauspieler zeigt, sehe ich auch andere Signale. Trotzdem erkenne ich Robins Sicht auf diese gespielte Szene an.

      Das Problem in diesem ganzen Thema ist in meinen Augen, das einige Gruppen, z. B. Terre de Femes, diese Schwelle verändern möchten, ohne eine neue Definition der Schwelle abzugeben. Ein, nein ich möchte nicht, ist sicherlich eine Schwelle, doch gibt es eben Spielarten in der Sexualität, besonders im BDSM Bereich, wo z. B. genau diese Szene eben keine Vergewaltigung ist, zumindest wenn beide das so wollen. Und genau das ist hier ja das Problem, wir haben nicht einmal eine Anzeige der Betroffenen :P

      Eines unserer Probleme ist, für Robin z. B. ist Vergewaltigung ein Thema weshalb sie sich als Feministin bezeichnet. Für mich ist Falschbeschuldigung, und die sehe ich sehr häufig¨sehr klar, eben ein Thema, warum ich im entgegen gesetzten Lager arbeite. Würde der Schauspieler mit diesem Video zu mir kommen und Hilfe verlangen, würde ich ihn auch fragen ob er noch alle gerade hat. Wie gesagt, ich habe hier den Anwalt des Teufels gespielt.

      Doch allein bei dieser Szene gibt es eben auch gegenteilige Signale und jeder Mensch für sich kann hier auch andere Schlüsse ziehen... Die abschliessende Frage bleibt, ab wann ist es eine Vergewaltigung? Wenn sie sagt Nein? Sicherlich, doch wie wollen wir ein solches Nein beweisen??? Somit brauchen wir für einen Richter andere objektive Punkte...

      @Robin, gehe jetzt in Deinen Blog und lese den Artikel...

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  3. Hi Kai,

    Mein ellenlanger Kommentar, in welchen ich ausführte, dass es sich bei dem zur Verhandlung stehenden Fall eben doch um eine Vergewaltigung handelte, wurde einfach geschluckt, verschollen im Daten-Nirvana...

    @Robin: Ist mir schon klar, ich finde es nur befremdlich, dass es dir so wichtig ist, das zu betonen angesichts dessen, was Theon angetan wird.

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    1. Ich wollte es ja gar nicht betonen. Von meiner Seite aus war mit dem "Theon wurde nicht vergewaltigt" alles gesagt. Aber dieses Zitat als Einstieg in SO einen Text zu wählen, hat mich einfach extrem geärgert. Dazu diese Rumschwurbelei, dass es eigentlich wirklich keine ist, aber irgendwie ja doch, die ich einfach überhaupt nicht verstehen kann. Ich wollte das Thema wirklich abhaken, aber gut, habe ich in dem Beitrag halt noch ein paar andere Punkte abgearbeitet, die mir wichtig waren (z.B. dieses unsägliche "Gewalt gegen Männer wird nicht kritisiert").

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  4. Es ist doch wirklich komplett absurd. Meines Wissens gibt es von beiden beteiligten Schauspielern Aussagen in die Richtung: "Die Regieanweisung lautete, es sei heftiger, aber konsensueller Sex. Und so habe ich es auch gespielt." Und eine Figur kann wohl kaum etwas tun, das der Mensch, der sie darstellt, nicht auch tut.
    Mit anderen Worten, sowohl der angebliche Täter als auch das angebliche Opfer sagen, es habe sich dabei nicht um eine Vergewaltigung gehandelt. Und damit müßte die Vergewaltigungsdiskussion eigentlich vorbei sein.

    Natürlich kann man noch darüber diskutieren, ob die Regieleistung schlecht oder die Darstellung realistisch war. Aber Sex, zu dem alle Beteiligten ihr (wirksames) Einverständnis gegeben haben, kann doch keine Vergewaltigung sein, scheißegal, wie er für einen Außenstehenden aussieht.

    Angenommen, ein BDSM-Paar vögelt gern, indem er sie ans Bett fesselt und ihr den ganzen Akt lang heftige Ohrfeigen verpaßt, während sie "Nein! Nein!" schreit und er "Halt die Fresse, Du häßliche Schlampe!" antwortet. Klar, für jeden, der in dem Moment ins Zimmer käme, sähe das wie eine Vergewaltigung aus.
    Aber ein Geschlechtsakt kann (meiner selbstverständlich völlig unmaßgeblichen Meinung nach) keine vorsätzliche Vergewaltigung sein, wenn das mutmaßliche Opfer ihn wollte (oder der mmTäter nicht wußte oder hätte wissen müssen, daß das mmO ihn nicht wollte).

    Und es macht mir Angst, daß Feministinnen diesen Rechtsgrundsatz ganz offensichtlich aushöhlen wollen. In den USA kann einvernehmlicher Sex zwischen zwei Betrunkenen eine Vergewaltigung (natürlich der Frau durch den Mann) darstellen. In Schweden kann offenbar ein "Informationsgespräch" über einen ansonsten konsensuellen Sexakt, bei dem entgegen der Absprache kein Kondom verwendet wurde, zu einem internationalen Haftbefehl führen.

    Es ist doch komplett kafkaesk, wenn eine (fiktive) Gerichtsverhandlung, in der die Befragung der Opferzeugin ungefähr so abläuft:
    StA: Es kam also am Abend des ... zu Geschlechtsverkehr zwischen Ihnen und dem Angeklagten?
    OZ: Ja, wir sind seit fünf Jahren zusammen. An dem Abend hatten wir auch Sex.
    StA: Gegen Ihren Willen?
    OZ: Nein, ich wollte es auch.
    StA: Die ganze Zeit?
    OZ: Ja, ich sagte doch, ich wollte es auch.
    StA: Standen Sie zu dem Zeitpunkt unter dem Einfluß von Alkohol oder Drogen?
    OZ: Wir waren vorher auf einer Party und hatten beide ziemlich was intus.
    StA: Sie waren also stark betrunken?
    OZ: Ja, wir waren beide ganz schön blau.
    mit einem Schuldspruch wegen Vergewaltigung enden kann. In einem Rechtssystem, das Offizialdelikte kennt, ist das bei entsprechend absurder und einseitiger Definition aber möglich.

    Kann man eigentlich noch viel frauenfeindlicher werden als Feministinnen, die Frauen die Fähigkeit absprechen zu entscheiden, ob Sex, den sie hatten, einvernehmlich war oder nicht? Ich mußte gerade an dieses Video denken: Die feministische "Forscherin" Mary Koss kam zu ihrer vielbeachteten Feststellung, daß eine von vier Collegestudentinnen im Laufe ihrer Ausbildung zum Opfer einer Vergewaltigung wird, indem sie die Antworten der Probandinnen auf die Frage "Wurden Sie vergewaltigt?" ignorierte und stattdessen anhand eines Fragenkatalogs selbst entschied, ob das beschriebene Geschehen eine Vergewaltigung gewesen war.

    (cont'd.)

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    1. Man stelle sich das mal in irgendeinem anderen Fall vor. Etwa so:
      Herr Meier und Herr Schmidt arbeiten in einer kleinen Bankfiliale. Nachdem sie diese am Freitag um 15:00 Uhr geschlossen haben, beschließen sie, Verhalten in Extremsituationen zu üben. Dazu stellt sich Herr Meier hinter den Schalter und Herr Schmidt zieht sich eine Sturmhaube über, stürmt mit einer Spielzeugpistole auf seinen Kollegen zu und fordert die Herausgabe von Geld. Ein Passant sieht das durch die Schaufensterscheibe und ruft die Polizei, die kurz darauf Herrn Schmidt verhaftet. Zum Glück kann Herr Meier alles aufklären.
      Möglicherweise fände sich ein Richter, der die beiden wegen groben Unfugs bestraft, aber jedem, der behaupten würde, hier habe eventuell doch ein Banküberfall stattgefunden, würde man doch zurecht den Vogel zeigen.

      Ich finde es richtig, Vergewaltigung so zu definieren, daß sich darunter auch Situationen subsumieren lassen, in denen beim Täter Vorsatz vorlag und das Opfer sich lediglich aus Angst gefügt hat. Ich sehe nur nicht, wie das geschehen soll, ohne daß in der Praxis echte Mißverständnisse zum Nachteil eines Mannes, der glaubte, einvernehmlichen Sex zu haben, ausgelegt werden, vor allem, wenn dieser vielleicht besonders muskulös ist oder sonstwie bedrohlich aussieht.

      Bombe 20

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