Montag, 24. Februar 2014

1+1=2?

„Ich glaube nicht, dass man einem Großteil der Gegner des Bildungsplanes ihre Ängste

nehmen kann. Ich glaube nicht mal, dass ein Großteil der Gegner tatsächlich Angst hat.

Ich glaube, dass der Antrieb nicht Angst, sondern simple Aversion ist. Aversion gegen

alles, was sich nicht in das Schema der Heterosexualität, nicht in das Schema der

binären Geschlechterordnung, pressen lässt.”

Schreibt Adrian auf Gay West




Ich bin immer noch überzeugt dass viele Menschen, gerade bei schwuler Kunst an reine Erotik denken, die Jugendlichen dann vorgesetzt wird. „Das ist ein nackter Mann, der Künster war schwul, das ist Kunst und fettich“, so stellen sich das einige vor, was nun mal Quatsch ist. Ich bin auch überzeugt, dass viele eben nicht in der Grundschule ansetzen wollen und eben genau davor Angst haben. Und ich bin überzeugt, dass viele Menschen einfach nicht mitgenommen wurden, weil es eben keine Diskussion gegeben hat. Ich bin aber auch überzeugt, dass es homophobe Idioten gibt. Evtl. nicht mal homophob, sondern einfach nur Deppen. Deshalb ist mir, als ich den Beitrag von Adrian gelesen habe folgende Geschichte eingefallen.



Mein Sohn spielte in der Krippe einmal verkleiden. Die Betreuer der Krippe legten den Kindern ein paar alte Kleidungstücke hin und ließen sie aussuchen als was sie sich verkleiden wollten. Als ich meinen Sohn am Abend abholte trug er ein Kleid, eine Tasche und einen Damenhut. Alles stimmig, obwohl bei uns keiner Hüte trägt, hat er diesen Hut passend zugeordnet. Ich fand es witzig wie er da stand, ein viel zu langes Kleid, eine viel zu große Tasche und einen Hut, unter dem er kaum hervorsehen konnte und sich freute das ich „endlich“ da war. Andere Jungen hat eine Jacke und einen Schlips, genau so Mädchen, die Kunterbunt angezogen waren.



Für mich war das etwas ganz normales, Kinder probieren sich aus, schauen ob sie auch in andere Rollen passen, also ob sie nicht doch evtl. ein Mädchen sind, oder wie es sich anfühlt eines zu sein. Für mich persönlich war das kein großes Problem, mein Sohn zu diesem Zeitpunkt 3 Jahre, spielte. So wie ich mir in dem Alter [Triggerblödsinn] eine Negerpuppe (*) und ein Fahradkörbchen für meine, ich glaube insg. 3, Puppen zu Weihnachten gewünscht habe. Auch klemmte ich in diesem Alter immer meinen [Triggerblödsinn] Pipimann, zwischen die Beine wenn ich nackt war und rief aus vollem Hals: „Seht mal, ich bin ein Mädchen, nun seht doch mal her, ich bin ein Määääädchen!“ und hörte erst auf, wenn alle Anwesenden (Eltern, Omas) schauten und sagten, ja, Du bist ein Mädchen.



Das einzige was mich in dieser Zeit, der 175er wurde gerade zum ersten mal geändert, vor dem Psychiater gerettet hat, waren meine sehr offenen Eltern, die immer gehofft haben, dass dies nur eine Phase ist. Nicht das meine Eltern homophob waren, im Gegenteil. Aber so wie alle Eltern hofften sie, mir zum einen diesen schweren Weg der Homosexualität oder des Transgender ersparen zu können und zum anderen hofften sie, eines Tages mal ein Enkelkind in den Armen zu halten.



Doch zurück zur Anfangsgeschichte, die Betreuerin sprach mich auf meine Reaktion meinem Sohn gegenüber an. Sie sagte mir, ich würde das mit unserem Sohn, im positiven Sinne, sehr locker sehen. Wenn man mir eröffnen würde, dass er einen blauen Fleck hat, weil er gefallen ist, würde ich keinen Aufstand machen, würde jeden morgen ein paar Minuten bleiben, bis er wirklich in der Krippe angekommen ist. Und auch heute würde ich meinem Sohn durch meine spielerischen Bemerkungen zeigen, dass ich die Verkleidung, die er gewählt hat, gutheiße. Ich konnte mit der Reaktion auf das Verkleidungsspiel nicht viel anfangen, so fragte ich nach, was denn daran so besonderes sei?



Hierauf eröffnete mir die Frau, dass kurz vorher ein Vater kam und seinen Sohn ausgeschimpft hätte, da er die „falsche“ Verkleidung gewählt hatte. Dies erstaunte mich, weil ich das, zumindest in der heutigen Zeit, als normal ansehe, und in einer Großstadt wie Paris erst recht. Auch ich habe durch die kindlichen Spielereien keinen „Schaden“ davon getragen, ein Psychiater mag das gerne anders sehen. Ja, es gibt sie, diese Angst der bösen „Frühverschwulung“, gegen die man seine Kinder „schützen“ muss. Und es war nicht der einzige, ein weiterer Vater und eine Mutter haben gleiches gemacht. Einige Eltern haben sparsam geguckt. Die Kinder suchten ihre Verkleidung jedoch freiwillig, es wurde kein Druck zu einer bestimmten Verkleidung gegeben.



Ich selbst war baff erstaunt, dass es heute noch Eltern gibt, die so dermaßen einen an der Waffel haben, dass ich diese Geschichte bei einem Essen am folgenden Wochenende Bekannten erzählte. Bei dem Gespräch berichteten andere, dass ihr Neffe sich eine Tarzan- und eine Janepuppe wünsche, sie die Janepuppe aber nicht kaufen dürfen, weil die Eltern nicht wollen, dass ihr Kind mit Puppen spielt. Hallo?



Oftmals sind es Normen die Menschen eingetrichtert werden, der Kirchgang am Sonntag, das Autowaschen zum Wochenende oder Jungen spielen nicht mit Puppen! Deutsche arbeiten viel und gründlich, sind sauber und haben Gartenzwerge im Vorgarten. Wer nicht so ist, ist kein Deutscher, basta! Einige Menschen brauchen nun mal Normen und Schubladen, egal ob richtig oder falsch.



Die gleichen Schubladen in die auch wir anderen Männer gesteckt werden, wenn man uns als gewalttätig, pädophil, machtbesessen und bei der Scheidung als schlechten Vater hinstellt. Natürlich passen diese Schubladen für Schwule, übrigens genau so oft wie für Männer. Wenn eine Antje Schrupp nach einem einzigen Erlebnis beim Petting mit einem Jungen, etwas älter wie sie, aufhören möchte und der Junge das auch macht, doch nur weil er sagt, das einige Jungen das nicht verstehen würden, und darauf, also nur auf die Aussage eines unwissenden Kindes, alle Männer in eine Schublade räumt und drauf schreibt „ACHTUNG alle Männer können Vergewaltiger sein“, dann ist es genau das gleiche Schema. Andere sehen eine „Tunte“, also einen Schwulen mit affektiertem Verhalten und denken alle Schwulen sind so. Ich meine, selbst wenn, wo ist das Problem? Wenn es mich stören würde, bräuchte ich ja kein Bier mit ihnen trinken. Genau so wenig wie ich mit Antje Schrupp ein Bier trinken müsste, ohne gleich Frauenfeindlich zu sein, sondern weil mich so oberflächliche Menschen wie Schrupp einfach nur langweilen. Womit Antje Schrupp, aufgrund einer Aussage, auch in einer Schublade gelandet ist.



Ich selbst mag diese Bildungsreform ihrer jetzigen Form auch nicht. Mich stört das Wort „LSBTTI-Menschen“, mich stört der für mich schwammige Begriff der LSBTTI Kunst, mich stört ein Kultusminister der sich jetzt als Befreier aller Homosexuellen aufspielt, mich stört auch, das andere Gruppen in das Tolleranzzeugs nicht mit einbezogen wurden. Ich kann dem Stadtfuchs verstehen, wenn er begründet warum er diese Petition nicht unterschrieben hat. Für mich gilt jedoch, Toleranz ist wichtig, damit Eltern eben nicht ihre Kinder ausschimpfen, nur weil sie die „falschen“ Sachen tragen. Für mich gilt auch, das 1+1=2 ist. Das gilt für mich übrigens auch, wenn Feministinnen das sagen! Deshalb ist diese Petition auch für mich richtig, es gibt sicherlich einiges zu kritisieren, zu verändern. Das wird, auch Dank der öffentlichen Meinung, jetzt geschehen. Ebenso hoffe ich, dass nun auch ein großer Teil der Öffentlichkeit mitgenommen wird, in der Diskussion. Doch vom Prinzip her ist und war diese Petition richtig! Und wenn einfach mal ein paar Eltern mit ihrer homophobie konfrontiert werden, dann hat das schon viel gebracht.


Und am Ende wird nichts so heiss gegessen wie es gekocht wird.



(*) die Puppe nannte ich damals so, eine Puppe mit afrikanischem Migrationshintergrund konnte ich mir noch nicht wünschen, das konnte ich damals noch nicht aussprechen. Zu meiner Entschuldigung, selbst Pipi Langstrumpf hatte noch einen Vater der „Negerkönig“ war.

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