Freitag, 21. Februar 2014

Antideutsche Naziparolen



„Sauerkraut, Kartoffelbrei – Bomber Harris, Feuer frei!“

schreibt Julia Schramm auf Twitter zum #Bomgergate der Piratenpartei.

Eigentlich würde als Antwort reichen
"Vergeltungsschlag, Angst, Tod und Verderben,
egal ob hier, ob dort oder bei welchem Sterben,
alles muss von Schramm bejubelt werden,
die Intelligenz, so scheint’s, liegt bei ihr in Scherben."

Wobei hier mehr als fraglich ist, ob Schramm mein hochwertige Gedicht (es hat im Gegensatz zu ihrem immerhin 4 Zeilen) versteht, denn es besteht aus 189 Zeichen und liegt somit 29 Zeichen über der Länge eines Tweets auf Twitter. Die Grenze von 160 Zeichen ist anscheinend die maximale Aufnahmefähigkeit für Argumente bei der Piratin.

Auch ihr Tweet
„Stalingrad war Wunderbar - Naziopa bliebt gleich da“
zeugt mit Sicherheit nicht von einer differenzierten Auseinandersetzung mit der Geschichte dieser Politologin.
Bombardierung in Stalingrad im Januar,
huch was war das Wunderbar?
Quelle Wikipedia

In Stalingrad starben 150.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht, der SS und verbündete Truppen, hierzu gehörten Kroaten, Rumänen, Ungarn und Italiener. Begeisterte Freiwillige und überzeugte Nazis waren genau so Tod wie zum Kriegsdienst eingezogene jeden Alters. Teilweise nicht mal mit der Möglichkeit sich selbst eine Meinung, geschweige denn eine unabhängige Meinung zu bilden. 110.000 Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft, wovon 6.000 zurückkehrten. Also starben auf deutscher und verbündeter Seite „nur“ 254.000 Soldaten. In der gesamten Schlacht kamen Schätzungen zu Folge rund 700.000 Menschen ums Leben. Die meisten davon Rotarmisten, die in die Schlacht geworfen wurden ohne richtig ausgebildet, geschweige denn ausgerüstet zu sein, doch auch die Zivilbevölkerung, oftmals auch Kinder, mussten in der Stadt ausharren. Allein die ersten deutschen Luftangriffe forderten 40.000 Todesopfer. Ob hier „Wunderbar“ als Beschreibung nun das Wort der Wahl ist, sollte man auf jeden Fall nochmals überdenken. Für mich zeugt es von spätpupertirendem und plumpprovozierendem Gehabe eines unreifen Kindes, mehr nicht!



Julia Schramm ist ein Girly von 28 Jahren mit vielen Gesichtern. Anfangs soll sie für Männerrechte eingetreten sein, um dann als Mitgründerin im Kegelklub zu erscheinen. Sie war Spackeria Mitgründerin, die „keine Macht den Datenschützern“ forderte, dann ab 2012 jedoch verkündete, dass genau diese Aussage ein „dumme Aussage“ war. Dann kritisiert sie das Urheberrecht um etwas später einen Buchvertrag mit dem Branchenriesen abzuschließen, in dem sie angeblich auch noch einen Vorschuss erhalten hat, von dem die bekanntere Beate Wulf, die zur gleichen Zeit veröffentlichte, nur träumen konnte. Wenn sie jetzt Antideutsch wird, dann muss man demnächst ernsthaft mit ihrem Wechsel in die NPD rechnen.

In ihren Tweet „Stalingrad war Wunderbar - Naziopa bliebt gleich da“ kann man natürlich viel hineininterpretieren. Warum sie diesen Tod des Opa's, der nach ihrem bekunden Nationalsozialist war, in diesen Zusammenhang stellt, ist unverständlich. So oft wie Julia Schramm mit ihren 28 Jahren die Meinung von einem Extrem in das andere gewechselt hat, könnte ich sie mir heute sehr gut auch als BDM-Leiterin oder KZ-Aufseherin vorstellen. Nur um dann direkt nach dem Krieg zu sagen, dass dies doch eine dumme Entscheidung gewesen war.

Ehe jetzt wieder Robin Urban etwas von am Feminismus abarbeiten schreibt, nein ich halte Julia Schramm nicht für eine Feministin, sie ist in meinen Augen eine Opportunistin und Karrieristin, evtl. noch eine Bühnensau, die immer im Rampenlicht stehen will und muss.

Über Anne Helm, die Initiatorin all dieser Auswüchse, hat der Blogger "Matze" eigentlich alles geschrieben. Das Helm nun angeblich von Nazis bedroht wird und der Vorstand dafür Solidarität einfordert, ist nur noch ein Witz! Natürlich ist eine solche Bedrohung nicht tragbar und zu verurteilen. Natürlich wäre es jetzt mehr als dämlich zu schreiben „Helms Nacktaktion war wunderfein – ihr Leben stellten Nazis ein!“. Ein solcher Umgang mit Kritikern kann und darf natürlich nur durch angeblich feministische Piratinnen erfolgen, die alles und jeden als Nazi oder Eichmann beschimpfen dürfen. Kassiert man hierfür Reaktionen, die natürlich in dieser extremen Form der Bedrohung nicht zu rechtfertigen sind, wird die Solidarität der Gruppe eingefordert, der sie gerade noch voll vor das Knie getreten haben.

Die Begründung von Anne Helm könnte ich akzeptieren, voll und ganz. Man macht manchmal einen Fehler, schießt über das Ziel hinaus. Eine Provokation, gerichtet gegen die Nazi-Aufmärsche, die Dresden zum Jahrestag der Bombardierung immer wieder heimsuchen, mehr sollte es anscheinend nicht sein. Ich könnte es akzeptieren, wenn sie sich dazu bekannt hätte, wenn sie gesagt hätte, „Ja, ich habe diese Aktion durchgeführt, und denen die das als Provokation gegenüber den unschuldigen Opfer sehen, bei denen möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Das war zu keiner Zeit geplant!“ Wo ist das Problem? Nein, das geht natürlich nicht! Transparenz, ein anderer Politikstiel, das waren mal Ideale von diesem Haufen, dessen Vorstand sich jetzt hinter Phrasen der Solidarität versteckt!

Dass dann noch ein Oliver Höfinghoff aus Berlin nicht fehlen darf, war klar:

Die Piraten in Rheinland-Pfalz glauben also auch, dass das Deutsche Reich vor Lichterketten kapituliert hätte. piraten-rlp.de/2014/02/statem

Wobei er ein Statement des LVRheinland-Pfalz verlinkt, in dem dieser schreibt:
Wir lehnen die Verächtlichmachung und Verhöhnung von Opfern gewaltsamer Auseinandersetzungen ab. Dieses gutzuheißen zeugt nicht nur von einem Mangel an Empathie gegenüber den Opfern jeder Form von Gewalt, sondern auch von ideologischer Verblendung, dass es bei Gewalt doch Gewinner geben könnte.
Inhaltliche Auseinandersetzungen bedürfen des gegenseitigen Respekts und dürfen nicht in Drohungen, Nachstellungen, schwarzen Listen oder Internet-Prangern enden.“
Hoppla, gerade noch wurde zur Solidarität mit Helm aufgerufen, die wegen ihrer Meinungsäußerung mit Gewalt bedroht wurde. Höfinghoff hingegen denkt, man kann mal kurz eine komplette Stadt bombardieren, nicht nur die militärischen Ziele, weil es ja für die gute Sache ist? Und wenn Menschen nach dieser Bombardierung auch auf unschuldige Opfer hinweisen, dann ist das gar nicht gut?

Wenn es aber gegen die Richtigen geht, die Nazis, dann kann Höfinghoff auch anders:

Wann kapiert dieses Deutschland endlich, dass eine Entnazifizierung heute so nötig ist, wie eh und je.

Wobei hier klar sein sollte wie eine Entnazifizierung alla Höfinghoff aussehen würde! Wie gut das ich in Frankreich lebe! Gegen Höfinghoff ist die Front National ja noch ein Pionierlager…
 
Für @FEMENGermany fassen wir zusammen: Hakenkreuze an Bordellen: OK. Alliierten für Befreiung danken: Scheiße. Damit ist das erledigt.

Fassen wir zusammen, Alliierten für Bombardierung danken, bei denen auch unschuldige, unter anderem auch Kinder, getötet wurden, weil ein Flächenbombardement der Innenstadt angeordnet wurde. Übrigens kurz vor Kriegsende. Aber einen besonderen Schutz für Frauen und Kinder (und nicht der Zivielbevölkerung) im Kriegsfall fordern! Danke Höfinghoff, damit bist Du für mich erledigt; rein menschlich!

Und das Tätervolk verteidigt lieber sein Deutschsein! Na herzlichen Dank!

Wer das Bombardement von Hamburg oder Dresden als "Massenmord" bezeichnet, zeigt im günstigsten Fall seinen Mangel an historischer Bildung!

Wenn nicht bis Juni 45 Deutschland besiegt worden wäre, was glaubt ihr eigentlich, wo „Fat Man“ oder „Little Boy“ abgeworfen worden wären?

Besonders sein letztes Zitat zeigt, wie sein Verhältnis ist. Er ist anscheinend dankbar dass uns Fat Man nicht erwischt hat. Man kann diese Aktion aus damaliger historischer Sicht beurteilen, doch heute muss man, zumindest wenn es um die Bewertung der Tat geht, heutige Maßstäbe anlegen!

Hierzu dann ein Satz aus dem englischen Wiki:
"Prime Minister Winston Churchill later distanced himself from the attack [Dresden], even though he was heavily involved with the planning of the raid. Several researchers have argued that the February attacks were disproportionate. Mostly women and children died."

Selbst die Engländer, die diesen Angriff durchgeführt haben, sehen ihn differenziert! Wer so argumentiert wie Höfinghoff, der bringt auch alle von Russen vergewaltigten Frauen jahrelang zum schweigen, weil diese ja zum Tätervolk gehörten und die Russen uns nur befreien wollten. Egal ob diese Frauen vorher im Widerstand, Mitglied in der KPD oder SPD waren oder einfach nur so gegen die Nazis oder doch richtige Nazis! Relativierung, Vergebung und Abbitte kommen in seinem Wortschatz nicht vor. Wer so argumentiert wie Höfinghoff, für den gibt es nur zwei Gruppen, Täter und Opfer. Und er bestimmt wer was ist!
 
Bis heute ist ein Satz von meinem Großvater überliefert, den seine beiden ältesten Kinder fragten, nachdem die Göbbelsschnauze schwere Kämpfe um die Nachbarstadt verkündete, ob der Krieg nun verloren sei? Seine Antwort war:
„Nein, Kinder, den Krieg gewinnen wir!“ – Einen Monat später kapitulierte Deutschland bedingungslos. Dieser Opa war kein Nazi, er war nicht mal im Krieg, wenn man die 6 Stunden „Panzergräben“ an der Heimatfront ausbuddeln, nicht mitzählt. Seine Kinder waren nicht in der HJ, was daran lag, das sie auf dem Lande lebten.

Seine Kinder konnten wegen seines frühen Todes nie mit ihm über diesen Satz sprechen. Ich denke, er hatte Angst. Angst davor, dass seine Kinder mit dieser Neuigkeit in der Schule hausieren gehen und er noch auf den letzten Metern einen Preis für diesen Krieg zahlen muss. Einen Monat später kapitulierte Deutschland bedingungslos, die Russen standen zu der Zeit 60 KM vor Berlin, die Schlacht um Ostpommern ging am gleichen Tag verloren.

Der Großvater meiner Exfrau war zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Heimweg von Siebenbürgen. Seine deutsche Freundin und spätere Frau musste auch er zurücklassen und fragte sich, ob sie den Vergewaltigungen, von denen auch er als Zwangsarbeiter gehört hatte, entging. Seine Frau war im BDM und zuständig für die Bewachung der Gefangenen.

Für meinen Sohn verlaufen die Fronten quer durch seine kleinen 8jährigen Venen. Er hat einen franz. Zwangsarbeiter mit BDM Oma, einen franz. Widerstandskämpfer, der auch von Gräbern von zwangsexekutierten Franzosen weiß und damit zu leben hatte. Einen Uropa, der auf dem Lande lebte und der für den Krieg wichtige Drahtseile herstellte und einen weiteren, der als 18jähriger Opportunist mit Parteiabzeichen hinging. Der nach dem Krieg in der SPD eintrat, damit sich genau das nicht noch einmal wiederholt!

Menschen können sich ändern, können andere Meinungen und Sichtweisen annehmen. Genau so wie Julia Schramm das anscheinend zwei- bis dreimal im Jahr macht.

Wir alle, die wir hier und heute in Freiheit leben, sind Gewinner dieser Gewalt. Doch die Generation unserer Grosseltern hat bezahlt, sie hat verloren, auf allen Seiten! Hier Danke zu sagen, auch und vor allem den Alliierten, um Entschuldigung zu bitten, auch und vor allem den Alliierten, den Sinti und Roma, den Juden und allen anderen Menschen die gelitten haben, ist gut und richtig. Aber sich für die Bombardierung einer Stadt zu bedanken, nicht nur weil dort unschuldige Opfer umgekommen sind, sondern weil Menschen getötet wurden, egal an was sie geglaubt haben, ist falsch! Wer die Schrecken dieses Krieges begreifen will, der muss in die Normandie fahren, der muss Stalingrad besuchen. Der muss sich vor das Kreuz eines Soldaten setzen und versuchen seine Geschichte zu hören. Diese Geschichte erzählt dieser Soldat, spätestens wenn man liest
geb. XX.XX.1925 / gest. XX.XX.1944

Leider sind die Geschichten die ein 19jähriger erzählen kann sehr kurz, egal in welcher Uniform er starb und egal in welcher Sprache sich auf seinem Kreuz an ihn erinnert wird! Schweigen, Trauer und das Bekenntnis, dass sich so etwas nie wiederholen darf, ist hier in meinen Augen der beste Dank den man aussprechen kann! Aber was will man von mir auch erwarten, ich hatte schließlich einen Naziopa...

Kommentare:

  1. Muss gerade klugscheißen, weil es mir weh tut:
    Das Plural s wird ohne Apostroph angehängt. ;)

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  2. Danke für den Hinweis, ich war leider nie ein Rechtschreibgenie, was man auch an meinen Texten merkt. Seit ich in Frankreich lebe ist das auch definitiv nicht besser geworden, auch wenn hier der Plural ebenso ohne Apostroph gebildet wird, auch nicht bei Naziz...

    Danke und Gruß
    Kai

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  3. Nicht schlimm. Meine Cousine lebt jetzt auch schon seit längerer Zeit in Frankreich und es stellt sich eine gewisse "Sprachverwirrung" bei ihr ein.

    Danke aber für Deine gelungenen Artikel. ;)

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